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Glaukom: ab 40 heisst es Augen auf! |
| Weltweit sind fünf Millionen Menschen vom Glaukom, dem Grünen Star, betroffen. Das Glaukom ist auch die zweithäufigste Ursache der Erblindung in den westlichen Industrienationen. Früherkennung ist das A und O, will man noch rechtzeitig eingreifen. |
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Als Glaukom wird eine ganze Reihe von Krankheiten bezeichnet, die durch eine Schädigung des Sehnervs in Zusammenhang mit dem Augeninnendruck entstehen. Sie können sich auf ganz verschiedene Arten manifestieren. Zum besseren Verständnis aber zunächst ein wenig Anatomie
Anfängliche Symptomfreiheit
Der Sehnerv ist eine Faserstruktur, welche die Netzhaut mit den vordersten Schaltstellen der Sichtanalyse im Gehirn verbindet. Bei der Geburt enthält der Sehnerv 1,2 Millionen Nervenfasern. Im Verlauf des Menschenlebens schwinden diese Fasern aber zunehmend (alle zehn Jahre rund 100'000). Beim Glaukom ist nun eben dieser Verlust der Nervenfasern beschleunigt.
Bei Krankheitsbeginn merkt der Patient zunächst noch nichts. Mit zunehmender Rückbildung des Sehnervs verändert sich jedoch das Gesichtsfeld also der Wahrnehmungsbereich nach oben, unten und nach jeder Seite immer mehr. Die Schädigung des Sehnervs wird meist erst bemerkt, wenn bereits ein erheblicher Nervenfaserverlust besteht und die Sehkraft nachlässt.
Der Augenninnendruck wird durch den Umsatz des Kammerwassers reguliert, das vom Auge laufend erneuert und über den sogenannten Kammerwinkel wieder ausgeschieden wird. Ein chronisch erhöhter Augendruck entsteht entweder durch eine verstärke Produktion oder eine verzögerte Ausscheidung des Kammerwassers. Eine akute Drucksteigerung kann durch eine mechanische Abflussbehinderung anatomischen oder chemischen Ursprungs entstehen.
Risikofaktoren
Nach dieser kurzen Einführung, die Ihnen helfen soll, die Funktion und den Alterungsprozess des Auges besser zu verstehen, kommen wir nun zu den Risikofaktoren des Glaukoms.
Dabei ist in erster Linie eben der erhöhte Augendruck zu nennen. Normalerweise sollte dieser 21 mm Hg nicht übersteigen. Je höher der Druck, umso grösser ist die Gefahr einer Sehnervschädigung.
Familiäre Veranlagung, Diabetes mellitus, das Alter oder Kurzsichtigkeit können die Entstehung des Glaukoms ebenfalls begünstigen. Zu den Risikofaktoren gehören ausserdem die vasomotorischen Krankheiten, die u.a. auch zu Migräne führen können
Problematische Früherkennung
Die Früherkennung des Glaukoms ist aus mindestens zwei Gründen recht problematisch: Einmal, weil wie bereits erwähnt zu Beginn der Erkrankung keinerlei Symptome auftreten. Dann aber auch, weil die Bezeichnung Glaukom zahlreiche Augenkrankheiten umfasst, die nicht alle dasselbe Erscheinungsbild aufweisen. Dazu einige Beispiele : Eine Frau nimmt einen Schleier vor ihrem linken Brillenglas wahr und geht zum Optiker. Er stellt eine Verminderung der Sehkraft und des Gesichtsfeldes fest. Der Augenarzt misst den Augendruck und diagnostiziert ein Weitwinkelglaukom (Glaucoma chronicum simplex). Ein weiteres Beispiel: Ein 35 jähriger Mann leidet seit einigen Monaten an wiederkehrenden Kopfschmerzen, abwechslungsweise links oder rechts. Er denkt an Migräne und nimmt Paracetamol. Die Besserung ist nur vorübergehend, deshalb geht er zum Augenarzt. Nebst einem beidseitig erhöhten Augendruck stellt dieser ein braunes, über die Hornhautinnenseite verteiltes Pigment und Rückbildungen im Bereich der Iris fest. Die Diagnose lautet auf Pigmentglaukom. Im dritten Fall konsultiert ein 50jähriger Mann den Augenarzt, weil er auf dem linken Auge verschwommen sieht. Auch hier stellt der Arzt einen erhöhten Augendruck fest. Der obere Teil der Pupille ist etwas verformt ; auf dem Linsenhintergrund findet sich eine leichte Trübung (Anzeichen eines Kataraktes). Hier handelt es sich um ein traumatisches Glaukom.
Bis auf den Augengrund
Ein erhöhter Augendruck führt nicht zwangsläufig zu einem Glaukom. Umgekehrt gibt es Patienten, die einen beim Glaukom typischen Gesichtsfelddefekt vorweisen, ohne dass der Augendruck auch nur vorübergehend erhöht wäre. All dies macht die Diagnose nicht gerade einfach
Zum Glück gibt es aber verschiedene Methoden zur Erfassung einer Glaukomgefahr: die Untersuchung des Augenwinkels, des Sehnervs und des Gesichtsfeldes, die Messung des Augendruckes und der Sehschärfe sowie die Untersuchung und Fotografie des Augenhintergrundes zur Feststellung einer allfälligen Sehnervveränderung.
Für eine umfassende Analyse drängt sich manchmal auch eine mehrmalige Augendruckmessung zu verschiedenen Zeiten oder gar die Erstellung eines Tagesprofils auf. |
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Normales Gesichtsfeld |

Der Gesichtsfelddefekt, wie er vom Patienten wahrgenommen werden kann. |

Der Gesichtsfelddefekt ist anfangs belanglos, wie der Schatten zeigt. Der Nervenfaserverlust ist jedoch bereits fortgeschritten.

Hier ist der Gesichtfelddefekt enorm: Es handelt sich um ein Glaukom im Endstadium. Die dunkle Zone entspricht dem endgültigen und absoluten Nervenfaserverlust
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Von der Symptomfreiheit zum Notfall
Mit Hilfe dieser breiten Palette an Untersuchungen kann der Arzt genau feststellen, um welche Form des Glaukoms es sich handelt.
Am häufigsten ist das chronische Weitwinkelglaukom (Glaucoma chronicum simplex) mit einer Abflussbehinderung des Kammerwassers und erhöhtem Augendruck. Der Patient ist im Anfangsstadium symptomfrei: Er hat keinerlei Schmerzen und bemerkt auch lange Zeit den Gesichtsfelddefekt nicht.
Das akute Engwinkelglaukom tritt wie der Name besagt akut und plötzlich auf. Zu den Risikofaktoren gehören Weitsichtigkeit und/oder eine Linsenschwellung. Der Abfluss des Kammerwassers funktioniert einigermassen, bis sich eines Tages der Kammerwinkel plötzlich verengt und so zu einem Kammerwasserstau führt. Es kommt zu einem schlagartigen Anstieg des Augendrucks, begleitet von heftigen Schmerzen, Augenrötungen und Sehstörungen. Hierbei handelt es sich um einen augenärztlichen Notfall.
Das posttraumatische Glaukom tritt zuweilen nach einer Augenverletzung ein, die bereits Jahre zurückliegt. Dabei behindert das damals verletzte Gewebe des Kammerwinkels den Abfluss des Kammerwassers.
Das Pseudo-Exfoliativglaukom tritt als Folge einer Verunreinigung des Kammerwinkels durch abgeschilferte Schüppchen des Augengewebes ein. Dieser degenerative Prozess kommt vor allem bei älteren Menschen vor. Eine Erhöhung des Augendrucks liegt nur in 5 10% der Fälle vor.
Zu den übrigen Typen gehören das Pigmentglaukom, das Glaukom im Jugendalter und das angeborene Glaukom als Folge einer Augen- oder einer allgemeinen Missbildung, sowie das sekundäre Glaukom als Folge einer Augenentzündung.
Vier Lösungsansätze
Bei jeder Form des Glaukoms wird mit der Behandlung grundsätzlich das gleiche Ziel verfolgt: Einen weiteren Gesichtsfelddefekt und Sehnervschwund zu verhindern. Dies kann entweder mit einer Verminderung des Augendruckes erreicht werden oder aber mit der Verbesserung der Blutzirkulation im Sehnerv.
Zur Verminderung des Augendruckes stehen insbesondere vier Lösungsmöglichkeiten zur Verfügung: Augentropfen, orale Medikamente, Laser und Operation:
- Die verschiedenen Augentropfen vermindern die Produktion des Kammerwassers und/oder fördern seine Ausscheidung.
- Die oralen Medikamente sind zwar wirksam, ihre Verträglichkeit ist jedoch infolge möglicher Nebenwirkungen eingeschränkt.
- Mit dem Argonlaser kann der Kammerwasserabfluss begünstigt werden; der YAG-Laser fördert die Kammerwasserzirkulation und verhindert eine Blockierung des Kammerwinkels.
- Bei der Glaukomoperation, genauer der Trabekulektomie, wird in die Seitenwand des Auges eine Öffnung von 2 mm Durchmesser angebracht, so dass das Kammerwasser durch den Raum unter der Bindehaut abfliessen kann.
Die Möglichkeiten, die Blutzirkulation im Sehnerv zu fördern und so die Nervenfasern besser mit Sauerstoff zu versorgen, sind zur Zeit noch beschränkt. Gegenwärtig stehen jedoch gewisse orale Medikamente zur Verfügung, die den Kalziumstoffwechsel hemmen. Natürlich gibt es, ganz unabhängig von der Diagnose, kein Patentrezept, das sich bedingungslos für den einen oder anderen Krankheitstyp anwenden lässt. Das Problem muss bei jedem Patienten individuell abgeklärt und behandelt werden. Nach eingehender Untersuchung wird der Augenarzt unter Berücksichtigung der Risikofaktoren die Augentropfen mit den geringsten Nebenwirkungen verschreiben. Sobald der Augendruck als zufriedenstellend befunden wird, finden die Kontrollen weniger häufig statt. Die Untersuchung des Gesichtfeldes, der Brillenstärke, und des Augenhintergrundes werden dann jährlich einmal durchgeführt. Spricht der Patient nicht gut auf die Erstbehandlung an oder verschlechtert sich das Gesichtsfeld, können auch mehrere Augentropfen gleichzeitig angewendet werden. Bei erneuter klinischer Verschlechterung können orale Medikamente und/oder eine Laserbehandlung weiterhelfen. Der mikrochirurgische Eingriff ist jedoch für die schwersten Fälle vorbehalten und kommt erst zur Anwendung, wenn alle anderen Methoden fehlgeschlagen haben und ein erheblicher Gesichtsfeldausfall oder eine Erblindungsgefahr vorliegen.
Bevor es soweit kommt
Das Glaukom ist eine schwere Krankheit. Zahlreiche Studien zielen jedoch darauf ab, die Krankheitsmechanismen besser zu verstehen und eines Tages die Früherkennung sicherzustellen.
Wie bereits erwähnt, besteht das Behandlungsziel gegenwärtig noch darin, das Gesichtsfeld in dem Zustand zu stabilisieren, in dem es sich bei der Diagnose befindet. Dazu bietet sich eine breite Palette an Behandlungsmöglichkeiten an. Besser wäre es aber, wenn das Glaukom behandelt werden könnte, noch bevor es zu dauerhaften Schädigungen kommt. Je früher die Erkennung, desto grösser sind die Chancen, den Prozess zu stoppen. Die wirksamste Vorkehrung ist also die regelmässige Kontrolle beim Augenarzt. Auch wenn Sie keinerlei Symptome wahrnehmen: Halten Sie ab 40 die Augen offen! |
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