Das kindliche Sehvermögen

Das kindliche Sehvermögen
Das kindliche Sehvermögen
Das kindliche Sehvermögen
Gesundheit August 2015

Exklusiv-Interview mit Dr. Philippe De Gottrau, Chefarzt der Augenklinik Freiburg


Herr Dr. De Gottrau: Welches sind die Entwicklungsstadien des Sehvermögens beim Kind? 

Obwohl das Kind bereits bei der Geburt sieht, entwickelt sich sein Sehvermögen während der ersten sechs bis sieben Lebensjahre noch weiter. Danach ist das Sehvermögen voll entwickelt. Das bedeutet, dass das Kind sehr rasch, d.h. praktisch im ersten Lebensjahr, das Sehvermögen eines Erwachsenen erreicht. Bis zum Alter von sechs, sieben Jahren bleibt das Sehvermögen jedoch aufgrund der Gehirnplastizität veränderlich.

Weshalb ist es wichtig, das Sehvermögen bei Kleinkindern zu testen?

Steht die Sehschwäche in Verbindung mit einem Brechungsfehler, kann das Sehvermögen durch eine Korrektur dieser Störung verbessert werden. Das Kind kann sein Sehvermögen höchstens bis zum Alter von sechs bis sieben Jahren weiterentwickeln, auch wenn zuweilen eine weitere Verbesserung während ein bis zwei Jahren möglich ist. Wird die Korrektur nicht rechtzeitig vorgenommen, entsteht eine irreversible Sehschwäche. Denn über dieses Alter hinaus hat das Gehirn nicht mehr die Fähigkeit, die Sehleistung zu verbessern, auch wenn das Auge anatomisch einwandfrei ist.

la vue des enfants et ados

In welchem Alter sollte man das Sehvermögen seines Kindes erstmals testen lassen? Und welches sind die Symptome, die darauf schliessen lassen, dass ein Besuch beim Spezialisten notwendig ist?

Stellt man fest, dass das Kind schielt, seinen Blick nicht fixieren kann (Nystagmus oder Augenzittern) oder sich so verhält, dass eine Sehstörung vermutet werden muss, sollte man sofort eine Augenuntersuchung veranlassen. Liegt bei den Eltern eine schwere Sehstörung vor wie starke Weitsichtigkeit oder starke Kurzsichtigkeit, starker Astigmatismus oder Strabismus (Schielen), sollte beim Kind spätestens im Alter von zwei bis drei Jahren eine Augenuntersuchung erfolgen. 

 

Für alle anderen Kinder genügt eine Erstkontrolle im Alter von vier bis fünf Jahren, um allfällige Brechungsfehler zu erkennen und eine Amblyopie (Sehschwäche) zu behandeln. Das weisse Aufleuchten der Pupille in den ersten zwei bis drei Lebensjahren ist ein ernstzunehmendes Symptom, das auf einen Augentumor (Retinoblastom) hindeuten kann.

Was bedeutet Strabismus und Amblyopie? 

Ein Kind, das schielt, verfügt nicht über ein binokulares Sehen und ist somit unfähig, einen Punkt mit beiden Augen zu fixieren. Ihm fehlt die stereoskopische, also räumliche Wahrnehmung. Das hindert es jedoch nicht daran, ein völlig normales Leben zu führen und später beispielsweise einmal Auto zu fahren. Die Augen können abwechselnd fixieren bzw. schielen. Es besteht jedoch die Gefahr, dass ein Auge dominiert und dadurch die Stimulierung des anderen Auges verhindert. Das nicht stimulierte Auge wird sehschwach und bleibt es auch, falls es nicht geschult wird. Durch eine temporäre Ausschaltung des starken Auges - zum Beispiel durch Abdeckung - wird das schwache Auge trainiert und kann eine gute Sehleistung erlangen, vorausgesetzt, die Schulung geschieht vor dem sechsten oder siebten Altersjahr.

Wie sehen die derzeitigen Kontrollen aus, und wer führt sie durch? 

Die Kontrollen werden in der Regel durch Kinderärzte und Allgemeinpraktiker ausgeführt. Dazu benutzen sie hauptsächlich Tests zum stereoskopischen Sehen (wie z.B. den Lang-Test) und Tests zur Bestimmung der Sehstärke in die Weite und/oder in die Nähe (Bilder und Lesetafeln). Mit der Messung der Sehstärke muss manchmal gewartet werden, bis das Kind Objekte unterschiedlicher Grösse erkennen und benennen kann. Es ist jedoch möglich, beim Augenarzt sehr früh die Sehstärke mittels Bestimmung der Blickrichtung (Teller-Test) zu testen. Auch in der Schule wird ein Sehtest gemacht; dieser erfolgt aber mit sechs bis sieben Jahren zu einem relativ späten Zeitpunkt in der Sehentwicklung. Auch Augenoptiker können Sehtests vornehmen (Sehschärfe und stereoskopisches Sehen), unter Berücksichtigung der obligatorischen Grundversicherung (KVG).

Welche Korrekturmöglichkeiten gibt es bei einer Sehschwäche?

In erster Linie Brillen und Kontaktlinsen - auch in sehr jungen Jahren. Beim Schielen ist oft ein Abdecken des starken Auges nötig.

Kann man das Sehvermögen selber testen, oder muss man in jedem Fall einen Spezialisten aufsuchen?
Ein einfacher Test für kleine Kinder besteht darin zu prüfen, ob das Kind ein sich bewegendes Objekt mit den Augen verfolgt und kleine Gegenstände in Reichweite erkennt. Ein weiterer Test ist das Abdecken eines Auges. Im Normalfall sollte dies das Kind nicht zum Weinen bringen, was zeigt, dass es mit beiden Augen gleich gut sieht. Nichts ersetzt jedoch den Besuch bei einem Spezialisten.

Exklusiv-Interview mit Dr. Philippe De Gottrau, Chefarzt der Augenklinik Freiburg


Herr Dr. De Gottrau: Welches sind die Entwicklungsstadien des Sehvermögens beim Kind? 

Obwohl das Kind bereits bei der Geburt sieht, entwickelt sich sein Sehvermögen während der ersten sechs bis sieben Lebensjahre noch weiter. Danach ist das Sehvermögen voll entwickelt. Das bedeutet, dass das Kind sehr rasch, d.h. praktisch im ersten Lebensjahr, das Sehvermögen eines Erwachsenen erreicht. Bis zum Alter von sechs, sieben Jahren bleibt das Sehvermögen jedoch aufgrund der Gehirnplastizität veränderlich.

Weshalb ist es wichtig, das Sehvermögen bei Kleinkindern zu testen?

Steht die Sehschwäche in Verbindung mit einem Brechungsfehler, kann das Sehvermögen durch eine Korrektur dieser Störung verbessert werden. Das Kind kann sein Sehvermögen höchstens bis zum Alter von sechs bis sieben Jahren weiterentwickeln, auch wenn zuweilen eine weitere Verbesserung während ein bis zwei Jahren möglich ist. Wird die Korrektur nicht rechtzeitig vorgenommen, entsteht eine irreversible Sehschwäche. Denn über dieses Alter hinaus hat das Gehirn nicht mehr die Fähigkeit, die Sehleistung zu verbessern, auch wenn das Auge anatomisch einwandfrei ist.

la vue des enfants et ados

In welchem Alter sollte man das Sehvermögen seines Kindes erstmals testen lassen? Und welches sind die Symptome, die darauf schliessen lassen, dass ein Besuch beim Spezialisten notwendig ist?

Stellt man fest, dass das Kind schielt, seinen Blick nicht fixieren kann (Nystagmus oder Augenzittern) oder sich so verhält, dass eine Sehstörung vermutet werden muss, sollte man sofort eine Augenuntersuchung veranlassen.

 

Liegt bei den Eltern eine schwere Sehstörung vor wie starke Weitsichtigkeit oder starke Kurzsichtigkeit, starker Astigmatismus oder Strabismus (Schielen), sollte beim Kind spätestens im Alter von zwei bis drei Jahren eine Augenuntersuchung erfolgen. 

Für alle anderen Kinder genügt eine Erstkontrolle im Alter von vier bis fünf Jahren, um allfällige Brechungsfehler zu erkennen und eine Amblyopie (Sehschwäche) zu behandeln. Das weisse Aufleuchten der Pupille in den ersten zwei bis drei Lebensjahren ist ein ernstzunehmendes Symptom, das auf einen Augentumor (Retinoblastom) hindeuten kann.

Was bedeutet Strabismus und Amblyopie? 

Ein Kind, das schielt, verfügt nicht über ein binokulares Sehen und ist somit unfähig, einen Punkt mit beiden Augen zu fixieren. Ihm fehlt die stereoskopische, also räumliche Wahrnehmung. Das hindert es jedoch nicht daran, ein völlig normales Leben zu führen und später beispielsweise einmal Auto zu fahren. Die Augen können abwechselnd fixieren bzw. schielen. Es besteht jedoch die Gefahr, dass ein Auge dominiert und dadurch die Stimulierung des anderen Auges verhindert. Das nicht stimulierte Auge wird sehschwach und bleibt es auch, falls es nicht geschult wird. Durch eine temporäre Ausschaltung des starken Auges - zum Beispiel durch Abdeckung - wird das schwache Auge trainiert und kann eine gute Sehleistung erlangen, vorausgesetzt, die Schulung geschieht vor dem sechsten oder siebten Altersjahr.

Wie sehen die derzeitigen Kontrollen aus, und wer führt sie durch? 

Die Kontrollen werden in der Regel durch Kinderärzte und Allgemeinpraktiker ausgeführt. Dazu benutzen sie hauptsächlich Tests zum stereoskopischen Sehen (wie z.B. den Lang-Test) und Tests zur Bestimmung der Sehstärke in die Weite und/oder in die Nähe (Bilder und Lesetafeln). Mit der Messung der Sehstärke muss manchmal gewartet werden, bis das Kind Objekte unterschiedlicher Grösse erkennen und benennen kann. Es ist jedoch möglich, beim Augenarzt sehr früh die Sehstärke mittels Bestimmung der Blickrichtung (Teller-Test) zu testen. Auch in der Schule wird ein Sehtest gemacht; dieser erfolgt aber mit sechs bis sieben Jahren zu einem relativ späten Zeitpunkt in der Sehentwicklung. Auch Augenoptiker können Sehtests vornehmen (Sehschärfe und stereoskopisches Sehen), unter Berücksichtigung der obligatorischen Grundversicherung (KVG).

Welche Korrekturmöglichkeiten gibt es bei einer Sehschwäche?

In erster Linie Brillen und Kontaktlinsen - auch in sehr jungen Jahren. Beim Schielen ist oft ein Abdecken des starken Auges nötig.

Kann man das Sehvermögen selber testen, oder muss man in jedem Fall einen Spezialisten aufsuchen?
Ein einfacher Test für kleine Kinder besteht darin zu prüfen, ob das Kind ein sich bewegendes Objekt mit den Augen verfolgt und kleine Gegenstände in Reichweite erkennt. Ein weiterer Test ist das Abdecken eines Auges. Im Normalfall sollte dies das Kind nicht zum Weinen bringen, was zeigt, dass es mit beiden Augen gleich gut sieht. Nichts ersetzt jedoch den Besuch bei einem Spezialisten.

la vue des enfants et ados

Exklusiv-Interview mit Dr. Philippe De Gottrau, Chefarzt der Augenklinik Freiburg

Herr Dr. De Gottrau: Welches sind die Entwicklungsstadien des Sehvermögens beim Kind? 

Obwohl das Kind bereits bei der Geburt sieht, entwickelt sich sein Sehvermögen während der ersten sechs bis sieben Lebensjahre noch weiter. Danach ist das Sehvermögen voll entwickelt. Das bedeutet, dass das Kind sehr rasch, d.h. praktisch im ersten Lebensjahr, das Sehvermögen eines Erwachsenen erreicht. Bis zum Alter von sechs, sieben Jahren bleibt das Sehvermögen jedoch aufgrund der Gehirnplastizität veränderlich.

Weshalb ist es wichtig, das Sehvermögen bei Kleinkindern zu testen?

Steht die Sehschwäche in Verbindung mit einem Brechungsfehler, kann das Sehvermögen durch eine Korrektur dieser Störung verbessert werden. Das Kind kann sein Sehvermögen höchstens bis zum Alter von sechs bis sieben Jahren weiterentwickeln, auch wenn zuweilen eine weitere Verbesserung während ein bis zwei Jahren möglich ist. Wird die Korrektur nicht rechtzeitig vorgenommen, entsteht eine irreversible Sehschwäche. Denn über dieses Alter hinaus hat das Gehirn nicht mehr die Fähigkeit, die Sehleistung zu verbessern, auch wenn das Auge anatomisch einwandfrei ist.

In welchem Alter sollte man das Sehvermögen seines Kindes erstmals testen lassen? Und welches sind die Symptome, die darauf schliessen lassen, dass ein Besuch beim Spezialisten notwendig ist?

Stellt man fest, dass das Kind schielt, seinen Blick nicht fixieren kann (Nystagmus oder Augenzittern) oder sich so verhält, dass eine Sehstörung vermutet werden muss, sollte man sofort eine Augenuntersuchung veranlassen. Liegt bei den Eltern eine schwere Sehstörung vor wie starke Weitsichtigkeit oder starke Kurzsichtigkeit, starker Astigmatismus oder Strabismus (Schielen), sollte beim Kind spätestens im Alter von zwei bis drei Jahren eine Augenuntersuchung erfolgen. 

Was bedeutet Strabismus und Amblyopie? 

Ein Kind, das schielt, verfügt nicht über ein binokulares Sehen und ist somit unfähig, einen Punkt mit beiden Augen zu fixieren. Ihm fehlt die stereoskopische, also räumliche Wahrnehmung. Das hindert es jedoch nicht daran, ein völlig normales Leben zu führen und später beispielsweise einmal Auto zu fahren. Die Augen können abwechselnd fixieren bzw. schielen. Es besteht jedoch die Gefahr, dass ein Auge dominiert und dadurch die Stimulierung des anderen Auges verhindert. Das nicht stimulierte Auge wird sehschwach und bleibt es auch, falls es nicht geschult wird. Durch eine temporäre Ausschaltung des starken Auges - zum Beispiel durch Abdeckung - wird das schwache Auge trainiert und kann eine gute Sehleistung erlangen, vorausgesetzt, die Schulung geschieht vor dem sechsten oder siebten Altersjahr.

Wie sehen die derzeitigen Kontrollen aus, und wer führt sie durch? 

Die Kontrollen werden in der Regel durch Kinderärzte und Allgemeinpraktiker ausgeführt. Dazu benutzen sie hauptsächlich Tests zum stereoskopischen Sehen (wie z.B. den Lang-Test) und Tests zur Bestimmung der Sehstärke in die Weite und/oder in die Nähe (Bilder und Lesetafeln). Mit der Messung der Sehstärke muss manchmal gewartet werden, bis das Kind Objekte unterschiedlicher Grösse erkennen und benennen kann. Es ist jedoch möglich, beim Augenarzt sehr früh die Sehstärke mittels Bestimmung der Blickrichtung (Teller-Test) zu testen. Auch in der Schule wird ein Sehtest gemacht; dieser erfolgt aber mit sechs bis sieben Jahren zu einem relativ späten Zeitpunkt in der Sehentwicklung. Auch Augenoptiker können Sehtests vornehmen (Sehschärfe und stereoskopisches Sehen), unter Berücksichtigung der obligatorischen Grundversicherung (KVG).

Welche Korrekturmöglichkeiten gibt es bei einer Sehschwäche?

In erster Linie Brillen und Kontaktlinsen - auch in sehr jungen Jahren. Beim Schielen ist oft ein Abdecken des starken Auges nötig.

Kann man das Sehvermögen selber testen, oder muss man in jedem Fall einen Spezialisten aufsuchen?
Ein einfacher Test für kleine Kinder besteht darin zu prüfen, ob das Kind ein sich bewegendes Objekt mit den Augen verfolgt und kleine Gegenstände in Reichweite erkennt. Ein weiterer Test ist das Abdecken eines Auges. Im Normalfall sollte dies das Kind nicht zum Weinen bringen, was zeigt, dass es mit beiden Augen gleich gut sieht. Nichts ersetzt jedoch den Besuch bei einem Spezialisten.

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