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Interview: Bernhard Russi, Präzisionsarbeit am Berg

Unterhaltung
Bernhard Russi

 

 

  

Der ehemalige Skichampion, der auf der ganzen Welt Abfahrtspisten baut, arbeitet zurzeit an der Konzeption des chinesischen Skigebiets für die Olympischen Winterspiele 2022 mit. Ein paar Fragen an Bernhard Russi, der immer noch mit viel Herzblut bei der Arbeit ist.

 

Ihre Arbeit erfordert verschiedenste Fähigkeiten. Wie gehen Sie vor?

Zuerst befasse ich mich mit den Karten, die ich erhalte, und schaue mir die Höhenlinien an. Dies ergibt eine umfassende Sicht auf den Berg und ich sehe, ob es einen genügend grossen Höhenunterschied und ausreichend Erhebungen gibt, um attraktive Pisten zu bauen. Eine Männerabfahrt erfordert einen Höhenunterschied von mindestens 800 Metern zwischen Start und Ziel. Dies ist nicht bei allen Geländen gegeben. Danach begebe ich mich allein oder in einem kleinen Team auf das Gelände, um den Berg zu spüren und seinen Charakter zu erkunden. Es geht darum, passende Stellen zu finden für den Bau einer Piste für Hochleistungsfahrer.

Wie sieht die ideale Konfiguration für eine Abfahrt aus?

Idealerweise sollen keine grossen Eingriffe vorgenommen werden, aber das ist manchmal schwierig. Man strebt vor allem eine Mischung aus steilen Hängen und Gleitstücken an, um eine attraktive, anspruchsvolle Strecke mit Kurven und Sprüngen zu bauen. Ein Sprung erfordert 60 bis 70 Meter Landefläche. Deshalb muss man zuweilen etwas Fläche hinzufügen oder entfernen, ohne dabei gross in die Natur einzugreifen. Das ist eine heikle Arbeit, die viel Präzision verlangt. Wenn ich dann eine Vorstellung von der Strecke habe, zeichne ich diese von Hand auf, im Wissen, dass sie sich später noch verändern wird wie eine Skulptur, denn wir beginnen mit der Planung im Sommer sieben Jahre vor dem eigentlichen Rennen. Die Strecke verändert sich aufgrund der Schneemenge, der Tests, der Arbeiten und des Windes. Wir müssen die Naturelemente miteinbeziehen und das ideale Gleichgewicht finden, damit der Fahrer sein ganzes Können unter Beweis stellen kann.

Schliessen Sie den Bau der Piste vor Ort oder vor dem Computer ab?

Mit den Kurssetzern teste ich die Abfahrt vor Ort. Zum Schluss lege ich zusammen mit lokalen Zeichnern und Ingenieuren die finale Strecke fest. Diese Arbeit erfolgt zu 90 Prozent im Freien und verlangt viel Präzision und vor allem die Fähigkeit, sich der Natur anzupassen.

Bei dieser Arbeit benötigt Bernhard Russi eine ausgeprägte Beobachtungsgabe, sowohl in die Nähe als auch in die Weite. Diese Eigenschaften findet Bernhard Russi bei Visilab und seinem grossen Angebot an Gleitsichtgläsern.